DIE UMGEBUNG VON FLORENZ
Fiesole, Settignano , Ihr Urlaub in Florenz
An der Piazza Edison zweigt die Via San Domenico ab, die sich in weiten Kurven durch die sanfte Hügellandschaft nach Fiesole hinaufwindet. Etwa auf halbem Weg liegt der Ort San Domenico, der rings um das gleichnamige Kloster entstanden ist; hier wohnte im 15. jahrhundert der Florentiner Künstler Beato Angelico, von dem die Konventkirche ein Tafelgemälde mit einer Sacra Conversazione bewahrt. Links des Platzes führt eine Straße zur Badia Fiesolana, die das Mugnone- Tal beherrscht. Der Ursprung der Badia verliert sich im Mythos: man vermutet, daß die Kirche am Marterort eines Bischofs und Apostels des frühen Christentums namens Romulus errichtet wurde. Die Kirche weist noch die herrliche Marmorfassade aus dem 12. jahrhundert auf (das Kloster ist heute Sitz des Europäischen Hochschulinstituts) . Kurz bevor die Via San Domenico FiesoIe erreicht, erscheint rechterhand die großartige Villa Medici. Michelozzo schuf den Komplex für Cosimo il Vecchio zwischen 1458 und 1461; später residierte hier Lorenzo il Magnifico mit seinem Hof, an dem viele Literaten und Dichter verkehrten.
FIESOLE – Der bezaubernde und seit Jahrhunderten viel besuchte Ort verdankt seine touristische Entfaltung dem benachbarten Florenz, dem milden Klima und der lieblichen Landschaft mit seinen Villen und Gärten, insbesondere aber auch den beachtlichen Resten einer ruhm reichen etruskisch-römischen Geschichte und sehenswerten Zeugnissen aus dem Mittelalter.
Das schon zur Etruskerzeit bedeutende Städtchen (die Akropolis lag auf dem heutigen Hügel San Francesco), das sich gegen Rom auflehnte, wurde im jahr 80 v. Chr. von Sulla erobert. Die Expansion hielt auch unter den Römern (Bau des Theaters und der Thermen) und im Hochmittelalter an, dann setzte im umgekehrten Maß zum Wachstum von Florenz der allmähliche iedergang ein. Im jahr 1125 eroberte die übermächtige Nachbarstadt in der Ebene die antike Ortschaft, nahm ihr den Bischofssitz und riß Handel und Handwerk an sich. Im Laufe der Zeit verwandelte sich FiesoIe mit seinen Villen und Klöstern immer mehr zu einem vornehmen Sommersitz, so daß sich schon früh ein exklusiver Tourismus anbahnte. Das Städtchen wurde zum bevorzugten Aufenthaltsort für Maler und Schriftsteller, unter anderem Paul Klee und Marcel Proust. Auch heute ist Fiesole kulturell stark engagiert, insbesondere in der schönen jahreszeit mit den Veranstaltungen der” Estate Fiesolana “. An der Stelle des ehemaligen Forums der römischen Stadt liegt die Piazza Mino, die an der Rückseite mit dem Palazzo Pretorio aus dem 14. jahrhundert und dem Oratorium Santa Maria Primerana abschließt. Platzbeherrschend ist der mächtige Dom. Die dem heiligen Romulus geweihte Kirche wurde im 11. jahrhundert gegründet, in den beiden folgenden jahrhunderten verändert und noch einmal im 19. jahrhundert stark restauriert. Der strenglinige Innenraum ist dreischiffig: einige Säulen tragen Kapitelle aus römischer Epoche; das erhöhte Presbyterium ziert ein Hochaltar mit einem Triptychon von Bicci di Lorenzo: hier betritt man rechts die Cappella Salutati, die mit Fresken von Cosimo Rosselli und Skulpturen von Mino da Fiesole geschmückt ist. Neben dem Dom befindet sich das Bandini- Museum: Terrakotten von Della Robbia, Gemälde des 12.-15. jahrhunderts, Verherrlichung von jacopo deI Sellaio, Madonna des Maestro del Bigallo. Hochinteressant ist ein Besuch des angrenzenden Gra bungsgeländes. Der archäologische Komplex umfaßt das Römische Theater, das Ende des 1. jahrhunderts n. Chr. erbaut wurde und noch heute für Musikveranstaltungen und Theateraufführungen benutzt wird; Reste eines Tempels und der Thermen; das Archäologische Museum: etruskische und römische Funde, Skulpturen des Theaters, etruskische Stelen mit Szenen von Totenmählern. Von der Piazza Mino führt ein steiler Weg zu dem Hügelkloster San Francesco mit der gleichnamigen Kirche; die Abtei ist seit 1399 Sitz einer Franziskanergemeinschaft, die einige jahre den heiligen Bernhardin von Siena beherbergte (seine Zelle befindet sich im sogenannten Conventino); der malerische Komplex ist großenteils das Werk einer Restaurierung: original sind einige Fresken und das Mobiliar aus dem 16. jahrhundert in der Sakristei.
Hinter Fiesole zweigt man auf der Straße in Richtung Borgunto rechts ab zum Castello di Vincigliata. Die mittelalterliche Burgruine wurde Ende vorigen jahrhunderts von john Temple Leader gekauft, der Giuseppe Fancelli mit der Restaurierung beauftragte. Die Straße führt weiter durch die mit Zypressen übersäte, typisch florentinische Hügellandschaft bis zur Villa i Tatti, die der Kunstkritiker Bernard Berenson 1905 gekauft und in Zusammenarbeit mit dem Architekten Cecil Pinsent restauriert hatte: Villa, Garten, Bibliothek, Skulpturen und Gemäldesammlung vermachte der Eigentümer der Harvard-Universität, darunter Werke von Giovanni Bellini, Cima da Conegliano, Domenico Veneziano und Sassetta. In Ponte a Mensola biegt man links in die Via D’Annunzio ein, die nach Settignano hinaufführt.
SETTIGNANO – Der alte, ursprünglich weit auseinandergezogene Ort war in früheren Zeiten berühmt wegen seiner zahlreichen Stein metzwerkstätten .
Der berühmteste dieser Steinmetze. der zum Rang eines echten Künstlers aufstieg, war Desiderio da Settignano, ein Bildhauer des 15. lahrhunderts. dessen Denkmal die Mitte des Dorfplatzes ziert. Im vorigen jahrhundert erlebte Settignano eine beachtliche Expansion als Wohn- und Fremdenverkehrsort: unter anderem hielten sich hier Telemaco Signorini und Gabriele D’ Annunzio auf. Letzterer wohnte von 1898 bis 1910 in der Villa Ia Capponcina, wo auch Claude Oebussy sein Gast war. Die alte Dorfkirche Santa Maria wurde vor dem 12. jahrhundert erbaut, erfuhr jedoch vor allem im 16. und 18. [ahrhundert starke Veränderungen: die Madonna mit Kind, eine verglaste Terrakotta, die den Hochaltar ziert, entstand Anfang 15. jahrhundert in der Werkstatt von Andrea della Robbia: die Terrakotta Santa Lucia am zweiten Altar links wird Michelozzo (1430) zugeschrieben. Ferner sind im Ort sehenswert das Oratorio della Santissima Trinita, der im 19. jahrhundert angelegte Friedhof, auf dem Tommaseo und Aldo Palazzeschi begraben sind, das Oratorio di San Romano und das des VannelIa, das ein Botticelli zugeschriebenes Fresko (um 1470) bewahrt. Ein Kilometer außerhalb von Settignano, in Richtung Compiobbi, liegt die Villa Gamberaia. Das zu einem Kloster gehörende, ehemals schlichte Landhaus wurde von der Familie Lapi und vor allem der Familie Capponi im 17. und 18. jahrhundert restauriert; weitere Umbauten erfolgten Anfang des 20. jahrhunderts.








